Outdoor-Goals

Die Alte Salzstraße nach Lübeck

Meine Deutschlandreise habe ich bisher abseits aller größeren Städte gemacht. Wandern duch eine Großstadt oder Ballungsgebiet hat seinen eigenen Reiz, mich haben aber vor allem Landschaften und interessante Wege angezogen. Dies ist allerdings auch der Grund, warum Lübeck mein nächstes Ziel wurde.

Lübeck ist größer als alle anderen Städte, die ich auf meiner Deutschlandreise besucht habe. Durch seine Geschichte als Handelszentrum und Hauptort der Hanse hat es die Wege in seinem Umfeld beeinflusst. Um eines der wichtigsten Handelgüter, das Salz, nach Lübeck zu bekommen, hat es sogar einen Weg in eine Wasserstraße verwandelt.

Das Salz aus der Saline in Lüneburg hat Jahrhunderte lang den Bedarf des gesamten Ostseeraumes gedeckt und war einer der Grundsteine für den Reichtum von Lübeck. Die Alte Salzstraße von Lüneburg über Mölln nach Lübeck war im Mittelalter einer der wichtigen Handelswege zwischen dem Ostseeraum und dem deutschen Reich.

Historischer Salzprahm

Historischer Salzprahm

Die großen Bedarfe an Salz und der schon damals herrschende Koste

ndruck auf den Transportkosten hat dazu geführt, dass mit dem Stecknitz-Kanal der erste Wasserscheidenkanal Europas gebaut wurde. Auf diesem wurde ab 1398 das Salz in Kähnen getreidelt, die etwa 7,5 t Salz aufnehmen konnten.

500 Jahre lang wurde diese Wasserstraße genutzt und erst 1900 durch den heutigen Elbe-Lübeck-Kanal ersetzt.

 

Diese alte Route wollte ich nun nehmen, um nach Lübeck zu kommen.

Von Boizenburg aus bin ich zunächst durch das mecklenburgische Hinterland gewandert, um kurz vor Büchen Schleswig-Holstein und den Kanal zu erreichen. Kleine Dörfer, abgelegene, baumbewachsene, sandige Wirtschaftswege und die Landwirtschaft prägen die Landschaft östlich des Kanals.

Entlang des Kanals ist mehr los: der breite, als Fernroute ausgebaute Radweg zieht viele

Radwanderer an. Die Route ist touristisch gut erschlossen, mit Informationstafeln in jedem Ort und und an den Schleusenübergängen. Er verläuft direkt am Ufer des Kanals und damit abseits der Straßen, die vor allem an den Schleusen kreuzen. Hier musste ich mich nicht groß um die Wegfindung kümmern und konnte die Seele baumeln lassen. Es hat etwas meditatives, die Kilometrierungszeichen des Kanals an sich vorbei ziehen zu lassen, ab und zu Radfahrern und noch seltener einem Boot oder Schiff auf dem Kanal zu begegnen.

Das Wetter war dazu im September gut geeignet, die Sonne hat den ganzen Weg über geschienen.

Am dritten Tag allerdings, etwa 15 km vor Lübeck, wurde es dann doch etwas zäh und die Zahlen auf der Kilometrierung – die in Lübeck bei 0 beginnt – haben mich immer mehr interessiert.

Leider war das letzte Wegstück entlang des Traveufers kurz vor der Altstadt gesperrt, so dass ich einen Umweg durch die Vororte über Brücken und Eisenbahntrassen machen musste, um zur historischen Altstadt zu kommen.

Der Anblick des Holstentores und der Altstadt auf dem Hügel der Traveinsel haben dafür entschädigt. Der mittelalterliche Stadtkern ist als Flächendenkmal Teil des UNESCO Weltkulturerbes und ein beeindruckendes Ensembel von Kirchen, herrschaftlichen Kaufmannshäusern und kleinen Gassen und Hinterhöfen.

Direkt neben dem Holstentorstehen noch heute die historischen Salzspeichern entlang der Trave. Hier wurde das Salz aus Lüneburg gelagert und in den gesamten Ostseeraum verteilt.

Alte Wege, wie die Salzstraße finde ich spannend, weil sie unser heutiges Bild von der Umgebung, in der wir leben und uns auf moderner Infrastruktur in einen anderen Kontext setzen und eine andere Perspektive ermöglichen.

Für die weitere Strecke nach Flensburg habe ich mich daher auch für den Ochsenweg interessiert.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>